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Interview mit Masterstudent Karl Märcz

Für 71 Tage besucht Karl im Rahmen seiner Masterarbeit die Megacity Shanghai. Ziel dieser Forschungsreise ist, den derzeitigen Stand der Wissenschaft und Technik von Automatisierung sowie Robotik im Bauwesen zu erfassen. China ist in dieser Hinsicht ein absoluter Vorreiter und wendet autonome Maßnahmen schon seit 2022 auf Großbaustellen an. Zusammen mit der Firma „Shanghai Intelligent Masonry Technology Development Co., Ltd“ werden die mögliche Implementierung in den europäischen Raum untersucht und neue Schnittstellen erschaffen. Zusammen mit Chai Qin, dem CEO der auf die Entwicklung von „Baurobotern“ spezialisierten Firma, wird dabei besonderer Fokus auf die Modellierung und damit verknüpfte Koordinatensysteme als Input für Roboter gelegt.

Zusätzlich werden weitere Startups rund um die Thematik Bau im näheren Umreis Shanghai besucht, um eine größere Varianz der usecases darzulegen. Sein Aufenthalt in Shanghai sowie die Masterarbeit werden betreut von Prof. Dr. Thomas Linner (Building Lab).

 

Karl Märcz, 28 Jahre alt, aus Regensburg

In welchen Themenbereichen studieren und forschen Sie?

Ich belege den digitalen Zweig des Bauing Masters und bin über die letzten Semester verschärft in die Themen Robotik und parametrisches Modellieren eingetaucht. In meiner Masterarbeit untersuche ich die Automatisierung im Bauwesen, aufgeteilt in eine Analyse Chinas und zusammen mit Doka eine direkte Anwendung im Schalungsbau.

Wie hat Ihre Begeisterung für dieses Thema/diese Themen begonnen?

Da gab es keinen „festen Wendepunkt“ oder dergleichen, das Ganze hat sich über die Mastersemester eingeschlichen. Es gab einige Kurse zur Modellierung, die mich mit der Zeit immer mehr begeisterten, besonders hinsichtlich der unendlichen Möglichkeiten. Gerade Grasshopper hat es mir in diesem Bereich sehr angetan. Dazu kam dann noch die Anwendung von Robotik und das roboterorientierte Design, ab da wusste ich, ich möchte weiter in diesen Bereichen forschen.

Wie entstand die Kooperation mit Building Lab und warum haben Sie sich für Shanghai als Austauschort entschieden?

Zuerst kam der Themenwusch, gepaart mit einem Auslandsaufenthalt. Ich erkundige mich bei Prof. Dr. Thomas Linner, ob er etwas in die Richtung hätte, und er meinte gleich „Ja, schicken wir dich nach China“.  Damit war ich mehr als einverstanden. Der Kontakt zwischen Linner und Chai Qin besteht schon länger, wir hatten ein Onlinemeeting und der spätere Kontakt läuft nun über Wechat.

Was sind die Stärken und Besonderheiten der hostenden Institution in Shanghai?

Shanghai Intelligent Masonry Technology Development Co., Ltd entwickelt und fertigt ihre eigenen Roboter, angepasst an die jeweiligen Aufträge. Dadurch stechen sie mit großer Individualität hervor und können genau auf die gegebenen Herausforderungen reagieren.  

Wie ergänzen sich Shanghai und Deutschland im Hinblick auf ihre Stärken in Forschung & Entwicklung?

Deutschland ist selbstverständlich immer noch sehr stark im Gewerbe Bau, besonders hinsichtlich traditioneller Techniken, Baustoffe und Sicherheit. Dadurch aber auch sehr festgefahren in alten Mustern, a la „Das haben wir schon immer so gemacht, funktioniert doch“. Doch der Bau sollte seinen Blick deutlich mehr Richtung Digitalisierung und Automatisierung werfen, nicht um alte Traditionen zu ersetzen, sondern um sie zu erweitern.

Wie wollen Sie Ihre Forschung an der OTH Regensburg später in die Industrie einbringen? 

Teil meiner Forschung ist ja letztendlich schon, einen Weg für die Automatisierung zu finden, ganz konkret im Schalungsbau. Zusätzlich hoffe ich, die Kooperation mit Shanghai weiterlaufen lassen zu können und so die Robotik auch in andere Baubereiche zu übernehmen.

Wie ist Ihr Aufenthalt finanziert?

Der Aufenthalt ist zu großen Teilen selbst finanziert. Zusätzlich erhalte ich ein Stipendium für meine Abschlussarbeit von BayChina und ein Praktikumsgehalt vor Ort. Glücklicherweise sind Unterkunft und Verpflegung in China unvergleichbar günstig zu Deutschland.

Welche Erfahrung/Situation in Shanghai hat Sie am meisten geprägt?

Wenn ich eins nennen soll, dann vermutlich die unglaubliche Herzlichkeit und das freundliche Willkommen, das mir hier bereitet wurde. Ich habe mich direkt wohl gefühlt, obwohl hier alles anders ist.

Welche Tipps haben Sie für auslandsbegeisterte Studierende der OTH Regensburg?

Geht zu Prof. Dr. Thomas Linner.
Spaß, aber sucht euch ein Thema, welches euch interessiert und geht damit zu einer ProfessorIn in diesem Fachgebiet. Diese sind meistens super gut vernetzt und können euch wunderbar weitervermitteln.

Foto: Shanghai Masonry
Foto: Shanghai Masonry
Foto: Karl Märcz