Besonders leise Autobahnen sind meist mit offenporigen Asphalten hergestellt. Eine Hightech Bauweise, die wegen vieler Hohlräume besonders lärmabsorbierend wirkt. Auch bei Regen bieten diese Asphalte Vorteile, weil deutlich weniger Sprühfahnen entstehen und die Sicht für Autofahrerinnen und Autofahrer besser bleibt. Allerdings ist die Bauweise aufwendig und anfällig für Verschleiß: Viele Strecken müssen bereits nach rund zehn Jahren erneuert werden. Im Großraum München betrifft das unter anderem Abschnitte der Autobahnen A9, A99 und A96.
Hier setzt das gemeinsame Projekt von Autobahn GmbH, OTH Regensburg und dem Bauunternehmen Richard Schulz an. Im Zuge von Sanierungsarbeiten auf der A99 wurde ein offenporiger Asphalt eingebaut, der mit sogenannten Acrylfaserpellets modifiziert ist. Ziel ist es, die Haltbarkeit der Straße deutlich zu verlängern. Die Teststrecke ist 280 Meter lang und wird wissenschaftlich begleitet.
Schneller Verschleiß bei offenporigem Asphalt: Innovation der OTH Regensburg
Eine der Hauptursachen für Schäden bei offenporigem Asphalt ist der sogenannte Kornausbruch, der häufig bereits nach sechs bis acht Jahren auftritt. Genau hier setzt die Entwicklung aus Regensburg an: Im Labor für Straßenbau und Asphalttechnologie der OTH Regensburg wurde in Kooperation mit externen Partnern ein spezieller Faserzusatz entwickelt, der die Stabilität des Materials verbessern soll.
Die Forschung basiert auf mehreren studentischen Arbeiten. Studierende der OTH Regensburg sowie ein dual Studierender der Autobahn GmbH haben Faserlänge und Fasermenge systematisch optimiert. Parallel dazu entstand ein Verfahren, mit dem sich die Fasern in Form von Pellets prozesssicher und gleichmäßig dosieren lassen.
„Die hochwertigen Fasern, die normalerweise in der Textilindustrie eingesetzt werden, zeigen in Laborversuchen beim Einsatz in Asphaltdeckschichten Vorteile im Kälteverhalten und in der Dauerhaftigkeit“, sagt Prof. Andreas Appelt, Leiter des Labors für Straßenbau und Asphalttechnologie. Der Einsatz wurde sowohl bei offenporigen Asphalten als auch bei Standarddeckschichten intensiv getestet.
Teststrecke auf der A99 im Fokus der Forschung
Mit dem Einbau auf der A99 folgt nun der Praxistest unter realen Bedingungen. Sowohl bei der Herstellung an der Mischanlage als auch beim Einbau des modifizierten Asphalts traten keine Probleme auf. Ob sich die erhoffte längere Lebensdauer tatsächlich bestätigt, wird sich allerdings erst in den kommenden Jahren zeigen.
Ein Vorteil der aktuellen Maßnahme: Die Teststrecke wurde parallel zu einem Abschnitt in konventioneller Bauweise hergestellt. Dadurch ist ein direkter Vergleich möglich.
Die OTH Regensburg wird die Entwicklung der Strecke eng begleiten, regelmäßig Daten erfassen und auswerten. „Wenn sich der Einsatz der Acrylfasermodifizierung bewährt und eine deutlich längere Lebensdauer erreicht werden kann, wäre dies ein wesentlicher Beitrag zur effektiveren Erhaltung unserer dringend sanierungsbedürftigen Straßeninfrastruktur insbesondere auf unseren hochbelasteten Strecken“, so Prof. Andreas Appelt.
Prof. Andreas Appelt bedankte sich bei einem Ortstermin beim zuständigen Projektleiter der Autobahn GmbH, Andreas Hauser, und den Vertretern der bauausführenden Firma Richard Schulz für die reibungslose Zusammenarbeit.